Zur Geschichte der Volkssolidarität

Die Anfänge

Unter dem Motto „Volkssolidarität gegen Wintersnot“ entstand im Herbst 1945 als helfende Volksbewegung gegen die Auswirkungen am Ende des zweiten Weltkrieges. Das Wirken der Volkssolidarität konzentrierte sich in dieser Zeit auf Jene, die am schwersten unter den Folgendes Krieges zu leiden hatten. Die Gründung der Volkssolidarität ist einzuordnen in die vielfältigen Bemühungen beherzter Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen, gegen die Hinterlassenschaften von Naziherrschaft und Krieg, Lethargie und Mutlosigkeit, Hunger und Elend gemeinsam anzukämpfen und den am meisten Betroffenen - Kindern, Umsiedlern, Obdachlosen, heimkehrenden Kriegsgefangenen, Alten und Kranken - zu helfen. Ausgehend von Sachsen, wo am 24.10.45 das Programm der Volkssolidarität zur Überwindung der Nachkriegsnot entwickelt wurde, bildeten sich ausgangs 1945 in allen fünf ostdeutschen Ländern Landesorganisationen, in Mecklenburg Vorpommern unter der Bezeichnung "Notgemeinschaft Mecklenburg".
Im Herbst 1945 liefen die ersten Sammelaktionen an, so zum Beispiel in Stralsund, unter dem Motto "Helft euren notleidenden Mitmenschen". Ein weiterer Schwerpunkt war die Beschaffung von Arbeit. Die Zahl der Umsiedler in unserem Land, einem Agrarland, das von den Kriegswirren selbst hart betroffen war, lag über einer Million. Manch einer wollte da verzagen, doch auf einem unserer Plakate stand das Motto "Nicht klagen sondern helfen!".

Die DDR-Zeit

1953-1955 war die Volkssolidarität auch verantwortlich für den Bahnhofsdienst in Rostock, Güstrow, Hagenow, Ludwigslust und Schwerin. Zahlreiche Reisende wurden betreut und bei Bedarf gewährte man sanitäre Hilfe, schuf Übernachtungsplätze, reichte eine warme Mahlzeit und Getränke. In dieser Zeit wurden von der Volkssolidarität 856 Kindertransporte mit weit über 167.000 Kindern betreut.
Ab Anfang der 50er Jahre verlor die Volkssolidarität nach und nach den umfassenden Charakter ihres Wirkens als Wohlfahrtsverband. Einige ihrer Einrichtungen waren mit Überwindung der schlimmsten Nachkriegsnot überflüssig geworden, die meisten gingen aber in das staatliche Gesundheits- und Sozialwesen bzw. in andere Bereiche der staatlichen Verwaltung der DDR über und Einige auch in andere Trägerschaft.
Ende der fünfziger Jahre hatte sich die Volkssolidarität in einen Mitgliederverband umgewandelt, wo es ungeachtet des vorherrschenden Zentralismus noch belebte Demokratie an der Basis in den Ortsgruppen gab. Eine Abschaffung "von oben", die Ende der fünfziger Jahre erwogen sein soll, fand jedoch zum Glück nicht statt, und so war die befohlene Konzentration auf vorwiegend ältere Menschen zwar sinnvoll, stellte aber gegenüber den Anfängern eine Einschränkung dar.
Mit den in den fünfziger gegründeten "Klubs" begann sich ein reges geistig-kulturelles Leben in den Ortsvereinen der Volkssolidarität zu entwickeln. Immer mehr wurde die Freizeit mit einbezogen. Es wurde gefeiert, getanzt, gesungen, gewandert und Gymnastik getrieben, um Freude im Alter zu haben und die Einsamkeit und Isolierung zu verdrängen.
In den siebziger Jahren wurde die Beziehung zu Schulklassen, Kindergärten und Betrieben aktiviert. So trat die Geselligkeit immer stärker neben die Fürsorge.

Die Wende-Zeit

Im Herbst 1989 wurde in der Volkssolidarität – wie überall im Land – das Drängen auf Um- und Neuorientierung immer nachhaltiger.

Das Verbandsleben entwickelte sich nun unter veränderten Verhältnissen. Unverändert blieben jedoch auch in den Wirren der Wendezeit das freiwillige Engagement und die soziale Verantwortung der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter der Volkssolidarität für jene Menschen, die Solidarität der Gemeinschaft brauchten, dem Verband vertrauten und dessen Dienstleistungen dringend benötigten.

Die 90er Jahre

Der Mitgliederverband war von über 2 Millionen vor der Wende auf 550 Tausend im Jahr 1993 geschrumpft. Seit dem konnte dieser negative Trend mehr und mehr durch inhaltlich und qualitativ gute Arbeit gebremst werden.
Zur Alten- und Gesundheitspflege sind mehr und mehr die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie die Hilfe für Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten (z.B. Aussiedler, Wohnungslose, Suchtkranke, überschuldete Familien und Alleinstehende usw.) hinzu gekommen.
Die Volkssolidarität entwickelte sich zu einem modernen, leistungs- und konkurrenzfähigen, sozialen Dienstleistungsunternehmen.

Entscheidend aber ist und bleibt, dass trotz professionellem Marketingmanagement und nüchternen Rechnens der Mensch im Mittelpunkt aller Überlegungen bleibt.